Als Studio-Gast bei „Vorarlberg Heute“: meine Sichtweise zu Jugendprotesten und Politischer Bildung

Aktualisiert: 17. Dez 2019

#Empowerment #Resignation #Lösungen #Kulturtechniken #Interview #ORF



Am 29. November wurde ich als Studiogast in Vorarlberg Heute eingeladen. Daniel Rein interviewte mich zu den Themen "Jugendbewegung - ernst oder trendy?", "langer Atem bei politischen Prozessen" und "was können wir tun?".



Wenn man für das Überleben auf die Straße geht, kann man nicht von einem Trend reden.

Ist die Jugendprotestbewegung "Friday for future" nur trendy oder kann man die Jugendlichen auch ernst nehmen? Es ist absolut kein Hype, wenn du für dein Überleben auf die Straße gehst. Werden nach Gründen für den Teilnehmer_innenschwund auf den Demos gesucht, stellt sich mir die Frage: Müssen wir denn wirklich noch mehr Demos durchführen, damit die Message ankommt?

Es gibt sie, die politisch engagierten Jugendlichen, die sich für ihre und auch unsere Zukunft einsetzen.


Diese engagierten Jugendlichen dürfen wir nicht an die Resignation verlieren!


Ein 14-jähriger Junge, der auch höchst aktiv bei F4F ist, antwortete mir ganz leise und bedrückt, als ich ihn im Sommer fragte: "Wie geht es dir eigentlich, in Zeiten von diesen Fridays for Future?". "Eigentlich habe ich keine Hoffnung mehr."


Auch eine 16-jährige Schülerin gibt ein bedenkliches Feedback nach einem Workshop zum Thema Sustainable Development Goals und Klassenpolitik:


Für Jugendliche ist es

keine Selbstverständlichkeit,

dass Erwachsene sich der Zukunft widmen und sich dann auch noch darüber mit Kindern und Jugendlichen unterhalten. Dass muss sich ändern! Wir brauchen echte, spürbare und wirksame Handlungen. Und zwar zeitnah, sodass sie auch von Kindern und Jugendlichen wahrgenommen werden.


Das Schlimmste, was uns jetzt nämlich passieren kann, ist, dass die Hoffnung stirbt und die Resignation gewinnt.



Um das zu verhindern und dagegen zu wirken, müssen wir alle Veränderungen einleiten, weiterführen und sichtbar machen. Ja Veränderung ist anstrengend. Es ist auch frustrierend, wenn sich das eigene Umfeld nicht zu bewegen scheint. Und gerade dann, braucht es eine Gemeinschaft und Freunde, mit denen man reden kann und sich einen frischen Schub Empowerment holen darf.


Wir alle sind in irgendwelchen Feldern tätig und haben Handlungsspielräume, in den wir etwas ändern können. Dabei dürfen wir aus meiner Sicht ruhig mutiger und bedingungsloser werden.

Ein Beispiel: Irgendjemand hatte irgendwann die Idee, dass die Klassensprecher_innenwahl durch eine geheime Briefwahl nach demokratischem Verfahren ablaufen soll. Nun, zum Glück sind solche Gesetze nicht in Stein gemeißelt [auch wenn wir oft dieser Annahme sind!], sodass irgendjemand einen Vorschlag machen kann, diese einmalige Chance der politischen Bildung mittels eines zukunftsorientierten und menschenwürdigen Nominierungsverfahren zu nutzen. [Siehe Anleitung zur soziokratischen Klassensprecher_innenwahl.]


Praktische politische Bildung

Wir brauchen Aufklärung und Wissenstransfer zu den Klimageschehnissen, zu Kinder- und Menschenrechten, zu Missständen und vor allem aber auch zu Lösungsansätzen. Wir alle, ob Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Pensionisten, wir alle müssen Kommunikationstechniken des Miteinanders lernen. Das beginnt beim aktiven Zuhören, geht darüber hinaus, dass wir lernen müssen zu unserer Meinung zu stehen, diese zu kommunizieren und sie auch wieder zu ändern. Wir müssen lernen unser Ego zur Seite zu stecken und im Wohle der Gemeinschaft zu handeln. Es gibt sie zum Glück, die Entscheidungsmethoden, die weder Mehrheit noch Minderheit erzeugen: Sei es das systemische Konsensieren oder die soziokratischen Entscheidungsfindung im Konsent. Es braucht echte Möglichkeiten, um Mitzuentscheiden und um Politik zu praktizieren. Aus meiner Sicht sollte dies in der Schule und in der Nachbarschaft institutionalisiert sein. Was Hänschen und Gretchen nicht lernen, lernen die beiden nimmer mehr.



Zeigen wir Solidarität!

Mit denen, die um ihr Leben schreien. Denn sie meinen es ernst. Lasst uns Systeme updaten und ein Weg des Miteinanders gehen. Wir haben nämlich noch viel zu verstehen, zu lösen und umzusetzen.


Vielen Dank an das Team des ORF! Im Speziellen an Christine Amon für die Einladung, Bruno Schratzer für die Regie, Daniel Rein für das Interview und Claudia Moosbrugger für die Maske. Danke an Manfred Welte für die Empfehlung.

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